Warum räume ich ständig auf und trotzdem ist es unordentlich?
- Andrea Kranig

- 10. Aug.
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 11. Aug.
Diese Frage höre ich als Ordnungscoach ziemlich oft. Und meistens ist das Problem nicht, dass zu wenig aufgeräumt wird.
Ganz im Gegenteil: Viele meiner Kundinnen räumen gefühlt den halben Tag auf.
Nur leider immer wieder dieselben Dinge.
Die kurze Antwort
Wenn Du ständig aufräumst und es trotzdem immer wieder unordentlich wird, sehe ich in meiner Arbeit vor allem vier Ursachen: Du hast zu viele Dinge für den vorhandenen Platz, viele Sachen haben keinen festen Platz, Du räumst immer wieder um, obwohl Du eigentlich ausmisten müsstest – oder Du hoffst darauf, dass sich eine Grundordnung irgendwie nebenbei herstellen lässt.

Schauen wir uns die 4 Gründe genauer an:
1 - Du hast zu viele Dinge
Irgendwann ist auch der beste Schrank voll.
Wenn Schubladen nur noch mit Nachdruck schließen, Kleiderbügel keinen Millimeter mehr Platz haben und Du für jedes neue Teil erst einmal Tetris spielen musst, wird Aufräumen ziemlich anstrengend.
Denn wohin sollst Du etwas räumen, wenn eigentlich nirgendwo mehr Platz ist?
(Wenn ich ehrlich bin - und das ist jetzt eine BONUS TIPP - dann beginnt bei mir dauerhafte Ordnung schon beim bewussten Kaufen.)
Schränke, Regale und Schubladen brauchen Luft. Und Du brauchst Platz, um die Dinge, die Du wirklich benutzt und behalten möchtest, vernünftig unterzubringen.
2 - Deine Dinge haben keinen festen Platz
Schlüssel auf der Kommode. Ladekabel auf dem Küchentisch. Unterlagen auf der Treppe. Einkaufstaschen im Flur.
Heute hier, morgen da.
Viele Dinge sind so flüchtig, wie ein schlechtes Date.
Wenn Dinge keinen festen Platz haben, musst Du jedes Mal neu überlegen, wohin damit. Und nach einem langen Tag hat kaum jemand Lust, über den perfekten Aufbewahrungsort fürs Ladekabel nachzudenken.
Also legst Du es „erst mal“ irgendwo hin.
Und „erst mal“ ist einer der zuverlässigsten Unordnungsproduzenten überhaupt.
Ein fester Platz nimmt Dir diese Entscheidung ab.
Der Schlüssel gehört immer hierhin. Das Ladekabel dorthin. Die Einkaufstaschen haben ihren Parkplatz dort.
Du musst nicht mehr überlegen. Du musst nur noch zurücklegen.
Das macht Ordnung im Alltag um Welten leichter, weil Du nicht mehrAUFräumst, sondern nur noch WEGräumst.
3 - Du räumst auf, obwohl Du eigentlich ausmisten müsstest
Das sehe ich ständig.
Da werden Dinge von A nach B geräumt, neu sortiert, in hübsche Boxen gepackt oder in den nächsten Schrank verfrachtet.
Manchmal landen sie auch in der berühmten:
„Da kümmere ich mich später drum“-Kiste.
Sieht erst einmal besser aus.
Das Problem ist nur mit umgezogen.
Wenn Du zu viele Dinge besitzt, kannst Du sie noch so schön sortieren – es bleiben zu viele Dinge.
Deshalb ist die Reihenfolge so wichtig:
Erst ausmisten. Dann sortieren. Dann feste Plätze schaffen.
Beim Aufräumen beschäftigst Du Dich damit, wo Deine Sachen hinkommen.
Beim Ausmisten stellst Du Dir vorher eine viel wichtigere Frage:
Soll diese Sache überhaupt noch bleiben?
4 - Du glaubst, Ordnung müsste irgendwie nebenbei entstehen
Das halte ich für einen der größten Irrtümer rund um Ordnung.
Zahnarzt? Steht im Kalender.
Friseur? Steht im Kalender.
Sport, Verabredungen, Termine der Kinder?
Alles eingetragen.
Und Ordnung?
„Das mache ich, wenn ich mal Zeit habe.“
Tja.
Eine über Jahre entstandene Unordnung verschwindet leider nicht zwischen Abendessen und Zähneputzen.
Wenn Du wirklich eine Grundordnung schaffen möchtest, braucht auch sie Termine in Deinem Kalender.
Und die müssen gar nicht riesig sein.
Samstag, 10–11 Uhr: Badezimmerschrank ausmisten.
Oder:
Mittwoch, 17–17:30 Uhr: eine Küchenschublade.
Viel wichtiger als ein ganzer freier Samstag ist, dass Du diese Termine genauso ernst nimmst wie andere Termine.
Denn die berühmte freie Zeit, in der Du nichts anderes zu tun hast und plötzlich wahnsinnig motiviert Deinen Keller ausmistest?
Wann soll die kommen? Würde ich nicht drauf warten.

Wenn Du Dich also fragst: "Warum räume ich ständig auf und es ist trotzdem unordentlich...
… brauchst Du wahrscheinlich nicht noch mehr Aufräumzeit."
Schau lieber einmal, warum Du so viel aufräumen musst.
Hast Du schlicht zu viele Dinge?
Fehlen feste Plätze?
Räumst Du Sachen eigentlich nur immer wieder um?
Oder wartest Du darauf, irgendwann genügend Zeit für eine Grundordnung zu haben?
Dann hast Du möglicherweise gerade den Punkt gefunden, an dem Du ansetzen kannst.

Denn dauerhafte Ordnung bedeutet nicht, jeden Tag besonders fleißig aufzuräumen.
Eine gute Grundordnung sorgt dafür, dass Du weniger aufräumen musst.
Und genau das ist schließlich das Ziel.

1 - Sollte ich zuerst aufräumen oder ausmisten?
Wenn Dein Zuhause sehr voll ist und Du kaum noch vernünftige Plätze für Deine Sachen findest: Ausmisten.
Am Anfang würde ich sogar so wenig wie nötig aufräumen und meinen ganzen Fokus auf das Ausmisten richten.
Mit weniger Dingen wird anschließend vieles leichter – vom Sortieren bis zum Aufräumen.
2 - Wie viel Zeit sollte ich für Ordnung einplanen?
Du brauchst nicht gleich einen kompletten Samstag zu opfern. Auch feste Termine von 30 oder 60 Minuten bringen Dich weiter.
Wichtig ist das Wort fest.
Die Zeit sollte in Deinem Kalender stehen und nicht davon abhängen, ob zufällig am Ende des Tages noch eine halbe Stunde und ein Rest Motivation übrig sind.
3 - Warum wird es nach dem Aufräumen so schnell wieder unordentlich?
Weil Aufräumen allein die Ursache oft nicht beseitigt.
Wenn Schränke überfüllt sind, Dinge keinen festen Platz haben oder zu viel Besitz für den vorhandenen Raum da ist, beginnt das Spiel ziemlich schnell wieder von vorne.
4 - Wo fange ich an, wenn mich meine Unordnung komplett überfordert?
Mach den Anfang so klein, dass er Dich nicht schon beim Gedanken daran erschlägt.
Also lieber:
„Samstag von 10 bis 10:30 Uhr miste ich meine Handtücher aus.“
als:
„Am Wochenende bringe ich endlich die Wohnung in Ordnung.“
Mit der zweiten Variante kann man nämlich hervorragend das komplette Wochenende verbringen, ohne überhaupt anzufangen. ndig auf trotzdem unordentlich
Wenn Du in dieses Thema tiefer einsteigen möchtest, dann empfehle ich Dir meinen Blogartikel "Wenn Aufräumen überfordert":
Alles Liebe von
Andrea
AUFGERÄUMT & EINGERICHTET

Über die Autorin
Andrea Kranig ist TÜV-zertifizierter Ordnungscoach und Gründerin von AUFGERÄUMT & EINGERICHTET. Seit 2017 begleitet sie Menschen vor Ort und online dabei, auszumisten, eine funktionierende Grundordnung zu schaffen und Ordnungssysteme zu entwickeln, die im Alltag funktionieren.



