5 Tipps bei Streit wegen Unordnung in der Partnerschaft

Aktualisiert: vor 4 Tagen
Die Schuhe im Flur. Das Geschirr auf der Arbeitsplatte. Der Kleiderstapel auf dem Stuhl.
Und irgendwann fällt der Satz:
„Immer muss ich hier alles alleine machen!“
Und schon geht es längst nicht mehr um die Schuhe.

In meiner Arbeit als Ordnungscoach erlebe ich immer wieder:
Streit wegen Unordnung beginnt zwar häufig mit herumliegenden Dingen. Dahinter stecken aber oft ganz andere Themen: unterschiedliche Bedürfnisse und Werte, unausgesprochene Erwartungen, Verantwortung oder das Gefühl, vom anderen nicht gesehen und ernst genommen zu werden.
Das Problem: Trotzdem wird weiter über die Schuhe diskutiert.
Wer sie nicht weggeräumt hat. Wer sie hat stehen lassen. Wie oft das schon passiert ist. Und wer schließlich immer alles machen muss.
Dabei versucht Ihr möglicherweise gerade, auf der Sachebene einen Konflikt zu lösen, der eigentlich auf der Beziehungsebene stattfindet.
Und dann kann selbst der beste Putzplan wenig ausrichten. Daher hier meine 5 Tipps bei Streit wegen Unordnung in der Partnerschaft.
Die kurze Antwort: Was hilft bei Streit wegen Unordnung?
Bei Streit wegen Unordnung hilft es häufig nicht, nur darüber zu sprechen, wer wann was aufräumt. Oft liegt der eigentliche Konflikt auf der Beziehungsebene: Unterschiedliche Bedürfnisse, Werte und Erwartungen wurden nie ausgesprochen oder einer von beiden fühlt sich mit der Verantwortung allein gelassen. Erst wenn klar ist, worum es wirklich geht, könnt Ihr Lösungen für die Ordnung finden, mit denen beide leben können.
Genau darum geht es in den folgenden
5 Tipps bei Streit wegen Unordnung in der Partnerschaft
Tipp Nr. 1 - Klärt zuerst, worüber ihr eigentlich streitet
„Du lässt immer alles liegen!“
„Und Du übertreibst ständig!“
Spätestens wenn solche Sätze fallen, geht es meistens nicht mehr um die Tasse auf dem Couchtisch oder die Jacke über dem Stuhl.
Vielleicht bedeutet die herumliegende Jacke für Dich: „Meine Bedürfnisse sind Dir offenbar egal.“ Für Deinen Partner bedeutet Deine Aufforderung, sie wegzuräumen, aber vielleicht: „Egal, was ich mache – es ist Dir nie gut genug.“
Und plötzlich diskutieren zwei Menschen über eine Jacke, obwohl sie eigentlich über etwas ganz anderes sprechen.
Hier lohnt es sich, nicht sofort nach einer praktischen Lösung zu suchen. Fragt Euch zunächst:
Was stört mich daran eigentlich wirklich?
Geht es um die Unordnung selbst? Darum, dass Du Dich für Euer Zuhause allein verantwortlich fühlst? Dass Du ständig mitdenken und erinnern musst? Dass Deine Bedürfnisse nicht ernst genommen werden? Oder fühlst Du Dich umgekehrt kontrolliert und hast das Gefühl, es dem anderen sowieso nie recht machen zu können?
Das herauszufinden ist wichtiger als die nächste Diskussion darüber, wer wann was wegräumt.
Denn eine neue Aufräumregel kann ein praktisches Problem lösen.
Sie kann aber keinen Konflikt lösen, über den Ihr bisher noch gar nicht gesprochen habt.
Dass Unordnung selbst zusätzlich belasten kann, habe ich in meinem Artikel über den Zusammenhang von Ordnung und Psyche ausführlicher beschrieben.
Tipp Nr. 2 - Klärt Eure Red Flags – statt darüber zu streiten, was „normal“ ist
„Aber das macht man doch so!“
Ein Satz, der bei unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen erstaunlich wenig weiterhilft.
Denn was für Dich selbstverständlich ist, kann für Deinen Partner völlig unwichtig sein. Vielleicht kannst Du wunderbar damit leben, wenn Schuhe im Flur stehen, bekommst aber die Krise bei einer vollgestellten Küchenarbeitsplatte. Deinem Partner sind die Krümel auf der Arbeitsplatte herzlich egal – dafür stört ihn das Chaos im Badezimmer.
Statt darüber zu diskutieren, wer die richtige Vorstellung von Ordnung hat, macht Eure persönlichen Grenzen sichtbar.
Dafür könnt Ihr ein einfaches Ampelsystem nutzen:
🔴 Rot: Das geht für mich wirklich nicht. Hier brauche ich eine Veränderung.
🟡 Gelb: Das stört mich zwar, aber hier kann ich Kompromisse machen.
🟢 Grün: Damit kann ich gut leben. Das müssen wir nicht verändern.
Wichtig dabei: Jeder füllt seine Ampel zunächst für sich selbst aus. Nicht mit dem Gedanken „Wie setze ich mehr durch?“ oder "Wie komme ich am besten auf meine Kosten?", sondern: Was brauche ich, damit ich mich in unserem Zuhause wohlfühle?
Anschließend vergleicht Ihr.
Vielleicht stellt Ihr dabei sogar fest, dass Ihr viel weniger unterschiedliche Vorstellungen habt als gedacht. Und dort, wo Rot auf Grün trifft, wisst Ihr zumindest endlich, worüber Ihr tatsächlich eine Lösung finden müsst.
Denn das Ziel ist nicht, dass Ihr am Ende dieselbe Vorstellung von Ordnung habt.

Das Ziel ist eine Ordnung, mit der Ihr beide leben könnt.
Tipp Nr. 3 - Schafft Ordnungsnischen für unterschiedliche Bedürfnisse
Ihr habt geklärt, was Euch wirklich wichtig ist – und stellt fest: Ihr seid Euch trotzdem nicht einig.
Das ist okay.
Ihr müsst nicht überall dieselbe Vorstellung von Ordnung haben.
Genau dafür mag ich sogenannte Ordnungsnischen: Bereiche, in denen einer von Euch selbst bestimmen darf, wie ordentlich – oder unordentlich – es dort sein darf.
Das kann eine Schublade sein, ein Schreibtisch, ein Regal, eine Ecke im Arbeitszimmer oder auch ein ganzer Raum.
Wer beispielsweise mit einem kreativen Chaos auf seinem Schreibtisch wunderbar zurechtkommt, muss nicht jeden Abend alles wegräumen, nur weil der andere es ordentlicher mag. Gleichzeitig muss sich dieses Chaos aber auch nicht über die gemeinsam genutzten Räume verteilen.
Entscheidend ist, dass Ihr vorher vereinbart:
Wo brauchen wir gemeinsame Regeln – und wo darf jeder seine eigene Ordnung haben?
So muss nicht jeder Unterschied ausdiskutiert oder beseitigt werden. Manchmal reicht es völlig, ihm einen Platz zu geben.
Eine gemeinsame Ordnung muss nicht bedeuten, dass überall dieselben Regeln gelten.
Tipp Nr. 4 - Beim Ausmisten gilt: Dein Besitz, Deine Entscheidung
Spätestens beim Ausmisten kann aus unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen schnell handfester Streit werden:
„Das brauchst Du doch wirklich nicht mehr!“
„Davon hast Du doch fünf!“
„Wann hast Du das bitte zuletzt benutzt?“
Mein wichtigster Rat deshalb:
Jeder mistet seinen eigenen Besitz aus. Und der Besitz des anderen ist tabu.
Du darfst Deinen Partner nicht dazu überreden, etwas wegzugeben. Du sortierst auch nichts heimlich aus. Und – mindestens genauso wichtig – Du kommentierst nicht, was der andere behalten möchte.
Denn beim Ausmisten geht es nicht darum, wer vernünftiger entscheidet. Über den eigenen Besitz entscheidet jeder selbst.
Etwas anders funktioniert es bei Dingen, die Euch gemeinsam gehören. Und ausgerechnet die würde ich nicht gemeinsam aussortieren.
Für gemeinsamen Besitz empfehle ich Paaren in meiner Arbeit folgende einfache Regel:
Geht den gemeinsamen Besitz nacheinander durch. Jeder entscheidet zunächst für sich, was er behalten möchte und was gehen darf. Danach wird verglichen:
Keiner möchte es behalten: Es darf gehen.
Einer möchte es behalten: Es wird zu seinem Besitz – und damit auch zu seiner Verantwortung.
Beide möchten es behalten: Es bleibt gemeinsamer Besitz und damit gemeinsame Verantwortung.
Das verhindert nicht nur so manche Grundsatzdiskussion vor einem halb ausgeräumten Küchenschrank. Es macht auch sichtbar, wer einen Gegenstand tatsächlich behalten möchte und damit künftig Verantwortung für ihn übernimmt.
Wer entscheidet, dass etwas bleiben soll, übernimmt auch Verantwortung dafür.
Wenn nach dem Ausmisten aus weniger Dingen eine funktionierende Grundordnung werden soll, findest Du hier meine 6 Schritte für dauerhafte Ordnung.
Tipp Nr. 5 - Versucht nicht, den anderen umzuerziehen
Ein Ordnungscoach kann gerade dann sinnvoll sein, wenn Ihr Euch beim Thema Ordnung seit Monaten im Kreis dreht, immer wieder an denselben Punkten streitet und alleine keine Lösung findet.
Ein Blick von außen kann helfen, unterschiedliche Bedürfnisse sichtbar zu machen, festgefahrene Diskussionen zu unterbrechen und ganz konkrete Lösungen für Euren Alltag zu entwickeln.
Was ein Ordnungscoach allerdings nicht kann: den Partner umerziehen.
Denn ein Ordnungscoach ist weder Schiedsrichter noch dazu da, einem von Euch zu bestätigen, dass seine Vorstellung von Ordnung die richtige ist.
Wenn Ihr gemeinsam etwas verändern möchtet, geht es nicht darum herauszufinden, wer recht hat.
Es geht darum, Lösungen zu finden, bei denen die Bedürfnisse beider berücksichtigt werden.
Das funktioniert allerdings nur, wenn auch beide grundsätzlich bereit sind, den anderen mit seiner Sichtweise ernst zu nehmen und Kompromisse einzugehen.
Wenn das eigentliche Ziel dagegen lautet: „Mein Partner soll endlich so ordentlich werden, wie ich es für richtig halte“, kann ich Euch als Ordnungscoach nicht helfen.

Ich kann Euch helfen, Eure Ordnung zu verändern. Aber nicht, den anderen Menschen nach den eigenen Vorstellungen zu verändern.
Was ein Ordnungscoach tatsächlich macht – und was nicht – beantworte ich ausführlicher in meinen häufigsten Fragen zum Ordnungscoaching.
Wenn Ihr Euch Unterstützung wünscht
Unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung müssen kein Dauerstreitpunkt bleiben.
Wenn Ihr gemeinsam eine Lösung finden möchtet, die zu Euch beiden und Eurem Alltag passt, können wir uns gerne kennenlernen.
Herzlichst
Andrea
AUFGERÄUMT & EINGERICHTET
Über die Autorin

Andrea Kranig ist TÜV-zertifizierter Ordnungscoach und Gründerin von AUFGERÄUMT & EINGERICHTET. Seit 2017 begleitet sie Menschen vor Ort und online dabei, auszumisten, eine funktionierende Grundordnung zu schaffen und Ordnungssysteme zu entwickeln, die im Alltag funktionieren.



